Traubenkerne: Heilung aus dem Rebstock

Viel wird in der letzen Zeit über die Heilwirkung von Wein geschrieben. Moderater Genuss vergorenen Rebensaftes ist erwiesenermaßen gesund, denn Wein macht „Freie Radikale“ unschädlich, erweitert die Herzkranzgefäße, beugt Infarkt und Schlaganfall vor.

Doch das Problem liegt auf der Hand: Bei Alkohol bleibt es selten bei einem „Gläschen in Ehren“, und damit verkehrt sich die heilende Wirkung in ihr Gegenteil – von der Gefahr drohender Abhängigkeit ganz zu schweigen! Die heilsamen Substanzen stammen vor allem aus den Schalen und Kernen der Weintraube – und daraus kann man weitaus mehr Gesundes herstellen als Wein.

Wein gehört zu den ersten Kulturprodukten der Menschheit. Seit etwa 8000 v. Chr. werden Rebkulturen angebaut. Ebenso alt ist auch das Wissen um die Wirkung des Weines als Arzneimittel. Im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt empfahl der griechische Arzt Hippokrates mit Wasser verdünnten Wein (Weinschorle) bei Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen, als Beruhigungs- und Schlafmittel sowie bei bakteriell und toxisch bedingten Darmerkrankungen. Im Mittelalter gehörte zu jedem Krankenhaus ein Weinkeller, und die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen verabreichte diverse Heilkräuter, wie etwa Petersilie, als Tinktur auf Rotweinbasis. Während der Volksmund seit eh und je ein Gläschen in Ehren als Arznei gelobt hat, nimmt sich die Wissenschaft erst in letzter Zeit des vergorenen Rebensaftes an. Eine großangelegte französische Studie mit fast 4000 Menschen im Alter von über 65 hat Anfang der 90iger Jahre zudem die vorbeugende Wirkung von Wein in Bezug auf die Alzheimer-Krankheit nachgewiesen. Untersuchungen an der Universität Bordeaux haben ergeben, dass Weintrinker 80 % weniger Symptome von Alterssenilität zeigen und die Zahl der Demenz-Erkrankungen um 75 % niedriger lag. Keinesfalls lassen solche Forschungsergebnisse den Schluß zu, dass eine größere Menge auch zu besseren Erfolgen führt. Während moderater Weingenuss die Blutgefäße erweitert, sogenannte „Freie Radikale“ unschädlich macht, die Konzentration schädlicher Blutfette (LDL – Cholesterin) und somit das Thrombose-Risiko senkt, drohen bei übertriebenem Weinkonsum Leberschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das Beste ist in der Schale und den Kernen der Weintrauben.

Aber es geht auch ohne Alkohol. Denn die meisten gesundheitsfördernden Substanzen sind in den Schalen und Kernen der Weintauben enthalten. Die bleiben beim Keltern häufig als Abfallprodukt, als sogenannter „Trester“, übrig und werden heutzutage allenfalls als hochwertiges Düngemittel für wenig Geld an Landwirte oder Gärtner geliefert. Dabei sollen Adelige Damen im Mittelalter Traubenkernöl als Kosmetikum geschätzt haben. Von zellschädigenden „Freien Radikalen“ dürften sie damals noch nichts gehört haben, dafür aber die hautschützende Wirkung des Öls erfahren haben.

Nun ist die Gewinnung von Traubenkernöl aus Traubenkernen sehr aufwändig und die Ausbeute gering. Für einen Liter Öl benötigt man immerhin 2000 Kilogramm Trauben-das Aus für die Produktion dieses Öls in Zeiten rein wirtschaftlicher Überlegungen.

Erst mit der heutigen Hinwendung zu natürlichen Heilwissen und gesundheitsbewusster Ernährung ist kaltgepresstes Traubenkernöl wiederentdeckt und seine Heilwirkung als lukrativ erkannt worden.

Die wissenschaftliche Erforschung der Inhaltsstoffe und ihrer gesundheitlichen Wirkung trägt ebenfalls zu dieser Renaissance bei. Als deutscher Traubenkernpionier gilt der Weinautor Winfried Heinen. Er kannte die Sonderstellung des Traubenkernöls aus alten Quellen und versuchte, dessen Herstellung wieder in Gang zu bringen. Zahlreiche Ölmühlen in Deutschland und Frankreich winkten ab, da sie technische Schwierigkeiten befürchteten, die eine gewinnbringende Vermarktung des Produktes unwahrscheinlich erscheinen ließen. Heinen wagte den Neubeginn, schaffte den Durchbruch und betreibt heute eine eigene Ölmühle in Neumagen-Drohn an der Mosel. Seine Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitete er in dem Buch „Power aus dem Traubenkern„, Kilianverlag, 2003

Gewinn für die Gesundheit

Im Gegensatz zum fast farblosen und neutral riechenden, chemisch gewonnenen Traubenkernöl erkennt man kaltgepresstes Öl an seiner grüngoldenen Farbe und seinem traubig-nussigen Geschmack, der es auch in der Gourmet-Küche immer beliebter macht. Aber auch die Qualitäten von kaltgepresstem Öl sind auf dem Markt recht unterschiedlich. Bezeichnungen wie nativ, kaltgepresst, extra vergine, 1. Pressung usw. sind leider keine Qualitätsgarantie. Nur der direkte Bezug der Öle von kleinen, handwerklich betriebenen Ölmühlen, die mit geringeren Ausbeuten (bis zu 50 %) arbeiten, garantiert immer frische, unter 40 Grad Celcius kaltgepresste Öle. Denn schon ab 45 Grad beginnt die Oxidation der empfindlichen Inhaltsstoffe. Es ist wichtig, dass die Öle frisch gepresst und dann kühl und dunkel und vor allen Dingen nicht zu lange gelagert werden. Ein so gewonnenes Öl ist zart, fast samtig auf dem Gaumen und geschmacklich unvergleichbar. Zur Vermeidung von Qualitätsverlusten wird es in Braunglasflaschen abgefüllt.

Traubenkernöl

Traubenkernöl, kaltgepresst -250ml

Traubenkernöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren (etwa 85 %) und wirkt als eines der wenigen Lebensmittel sowohl auf den positiven Cholesterinwert (HDL), den es anhebt, als auch auf den negativen Cholesterinwert (LDL), den es senkt. Studien in den USA haben dies bewiesen. Außerdem enthalten die Kerne und Schalen der Trauben große Mengen Vitamin E sowie sekundäre Pflanzenstoffe, vor allem so genannte Phenole. Eines von ihnen, das Procyanidin (OPC), bekämpft freie Radikale, aggressive Sauerstoffmoleküle im Blut, -und zwar 19-mal wirkungsvoller als Vitamin C und 50-mal stärker als Vitamin E. Damit wirkt Procyanidin einer Schädigung und vorzeitigen Alterung der Körperzellen entgegen, verhindert unerwünschtes Zellwachstum und kann somit vor Krebs schützen. Weitere phenole Substanzen, allen voran die Anthocyane, verhindern durch den Eingriff in bestimmte Stoffwechselvorgänge das Verklumpen der Blutplättchen (Thrombocyten), was zu einem besseren Blutfluss und zu einer höheren Sauerstoffversorgung des Gewebes führt. Das Infarktrisiko wird dadurch gemindert. Die Anthocyane aus Kerne und Schalen der Traube sind natürlich auch im Wein vorhanden. Bislang hatten Ernährungsexperten vermutet, dass die Anthocyane des Weines vom menschlichen Körper in größerer Menge aufgenommen werden als beispielweise die im Traubensaft enthaltenen. Inzwischen haben die Wissenschaftler ihre Auffassung revidiert und nehmen das Gegenteil an.

Blutverdünnend wirkt darüber hinaus eine weitere Gruppe von Inhaltsstoffen: die Salicylate mit ihrem Wirkstoff Salicylsäure, aus der unter anderem Aspirin hergestellt wird. Seit Jahren wird dieses Medikament in der Sekundärprävention von Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt, da es Gefäßverengungen vorbeugt. Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass Salicylate in minimalen Mengen-etwa 20 bis 70 Milligramm pro Kilogramm-auch in Trauben vorkommen.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Meishiang Jang von der Universität von Illinois in Chicago hat 1997 eine Substanz in Weintrauben aber auch in 70 weiteren Pflanzen entdeckt, die möglicherweise an der krebshemmenden Wirkung von Obst und Gemüse beteidigt ist. Dieses sogenannte Reservartrol wirkt antioxidativ und ist imstande, ein Enzym zu hemmen, das karzinogene Substanzen aktiviert.

Buchtipp: „Heilende Öle – Pflanzenöle als Nahrungs- und Heilmittel“ von Günther Albert Ulmer, Günther Albert Ulmer Verlag Tuningen 2001, 125 Seiten

Traubenkernmehl wird bei der Herstellung von Traubenkernöl gewonnen. Im Hinblick auf die Vitalstoffgehalte ist das Traubenkernmehl, wie auch andere Mehle, die bei der Ölgewinnung anfallen (z. B. Lein-, Nussmehl usw.), dem Öl überlegen. Insbesondere die Antioxidantien und Mineralstoffe verbleiben zum größten Teil im Mehl. Gegenüber dem Öl ist das Traubenkernmehl wesentlich länger haltbar und kalorienärmer. Es ist nahezu hitzestabil und die Vitalstoffe (auch das OPC) bleiben zum grössten Teil während des Backvorganges erhalten.

Traubenkernmehl

Traubenkernmehl, natur, teilentölt – reich an natürlichem OPC

Der Gesamtgehalt an wirksamen Polyphenolen im Traubenkernmehl beträgt ca. 20 Milligramm pro Gramm Traubenkernmehl. 4 Gramm Traubenkernmehl, das ist nicht einmal ein Teelöffel voll, enthalten also ca. 80 Milligramm Polyphenole. Traubenkernmehl ist in der Verarbeitung einfach und vielseitig zu verwenden. Es kann hervorragend bei der Herstellung von Backwaren aller Art (Brot, Brötchen, Pizza, Pfannkuchen und Kuchen) zugegeben werden. Dabei werden ca. 5 – 7 Prozent des herkömmlichen Mehls durch Traubenkernmehl ersetzt. Auch als Beigabe zu Gemüsesäften, speziell zu Tomatensäften, eignet sich das Traubenkernmehl sowohl ernährungsphysiologisch als auch geschmacklich sehr gut. Die Kombination mit geringen Mengen Vitamin C verbessert die antioxidative Kraft (Synergieeeffekt) und den Aufbau kollagener Strukturen im Körper. Weitergehende Informationen dazu sind in der Schrift des LebensBaum Verlages von 2004: Jungbrunnen OPC von Gabriela Vonwald enthalten.

Große Heilwirkung versteckt im Traubenkernextrakt Wenn es um die Heilkraft der Trauben geht, ist in letzter Zeit immer häufiger von Traubenkernextrakt die Rede, vor allem aber vom sogenannten OPC, das den Extrakt offenbar zu einem regelrechten Wundermittel macht.

OPC ist der Sammelbegriff für eine ganze Molekülgruppe: die oligomeren Proanthocyanidine. Sie gelten als überaus wirksame Antioxidantien, die sich zum Schutz der Zellen mit den freien Radikalen verbinden. Der französische Pharmakologe Prof. Jack Masquelier hat diese Substanz Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals aus Traubenkernen und der Pinienrinde isoliert und wissenschaftlich untersucht. Was die Wirkung von OPC anbelangt, haben amerikanische Forscher eine interessante, auf den ersten Blick sogar merkwürdige Entdeckung gemacht. Während Traubenextrakt bei innerer Einnahme als Antioxidans, als „Radikalenfänger“ wirkt, entfaltet er äußerlich angewendet, zum Beispiel beim Auftragen auf eine Wunde, eine entgegengesetzte Eigenschaft: Er wirkt pro-oxidativ, trägt also zur Vermehrung freier Radikale in der Wunde bei. Gerade dadurch beschleunigt der Extrakt die Wundheilung. Bestätigt wurde dies 2002 in zwei Versuchsreihen an der Ohio State University in Cleveland. Ein Team unter der Leitung des Mediziners Chandan Sen vom dortigen „Heart and Lung Research Institute“ hatte Hautwunden mit Traubenkernextrakt behandelt. Bereits nach fünf Tagen stellte sich heraus, dass der Heilungsprozess bei der behandelten Gruppe deutlich weiter fortgeschritten war und sich weniger Narbengewebe gebildet hatte als bei der unbehandelten Vergleichsgruppe. Zudem hatte das neu gebildete Gewebe eine festere Struktur und mehr Blutgefäße, die der Wunde Nährstoffe zur Regeneration der geschädigten Partien zuführen konnten. Der Extrakt hatte offenbar doppelt gewirkt: Er kurbelte die Produktion von Stoffen an, die verletzte Blutgefäße reparieren und neues Bindegewebe bildeten, und er ließ vermehrt freie Radikale in der Wunde entstehen, die das Areal keimfrei hielten.

Gesundheitsfördernde Kur zuhause

Mittlerweise wimmelt es im Marktsegment Nahrungsergänzungsmittel nur so von OPC-haltigen Präparaten, deren Anbieter mit den US-Forschungsergebnissen für ihre Produkte werben. Eine Firma versucht sogar, ihre Produkte mit sogenanntem „Real OPC“ aus dem Gros der Extrakte herauszuheben und beruft sich hinsichtlich der stärkeren Wirkung auf „Tests in unabhängigen Laboren“. Andere Anbieter fügen ihren Traubenkernextrakten Sanddornpulver, Acerola, Lycopin aus Tomaten, grünen Tee oder den Vitaminkomplex ACE hinzu, führen die Beschränkung auf Traubenkerne aus ökologischem Anbau ins Feld oder verweisen auf sage und schreibe 75 wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit ihres Produkts. Diverse Wellness-Hotels werden „Vinotherapien“ mit Traubenkernextrakt, Ölmassagen, Traubenkern-Peeling und Tresterpackungen angeboten. Die Französin Mathilde Cathiard hat eine ganze Kosmetikserie entwickelt, die ausschließlich Weinabfallprodukte verwendet. Einen Großteil der gesundheitlichen Effekte kann man allerdings auch zuhause haben, indem man Speisen mit Traubenkernöl zubereitet, Weintrauben verzehrt und Traubensaft trinkt. Kenner empfehlen übrigens die rote Variante.

Traubenkernöl und Traubenkernmehl sowie Produkte mit Traubenkernmehl bekommen Sie im gut sortierten Reformhaus oder im Internet bei Spezialversendern, wie Topfruits.

Dr. Heike Jürgens

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Quellen:

– Natur und Heilen 9/2004;

– Jungbrunnen OPC, der Naturstoff aus Traubenkernen, Gabriela Vonwald (LebensBaum Verlag)

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