Rhabarber und Mandeln – eine gelungene Kombination

Rhabarber (Rheum rhabarbarum) gehört botanisch zum Stielgemüse und darf nicht als Obst bezeichnet werden. Seit fast 5000 Jahren wird der Rhabarber in China als Arzneimittel kultiviert.  Vor allem der Wurzelstock wird zur Herstellung von (Abführ-) Pillen und Darmreinigung noch heute verwendet. In Deutschland ist der Rhabarber seit knapp 150 Jahren zu Hause.

Interessant ist, dass die Wurzeln des Stielgemüses sowie die Stiele der Pflanze gesund und heilkräftig, aber die Blätter wegen ihres Oxalsäuregehaltes giftig sind!

Strukturformel von Oxalsäure

Die Oxalsäure greift den Zahnschmelz an und verbindet sich auch im Körper mit dem Kalzium aus der Nahrung oder aus dem Blut. Deshalb sollten Sie den Rhabarber nur in mäßigen Mengen und nicht täglich essen. Menschen mit Neigung zu Rheuma, Arthritis, Gicht und Nierensteinen sollten ihn nur in geringen Mengen konsumieren. Rhabarber zeichnet sich vor allen Dingen durch sein herz- und kreislauffreundliches Verhältnis der Mineralien Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen und Jod aus. Sein Vitamingehalt ist nicht besonders hoch, wohl aber enthält er reichlich Zitronen- und Apfelsäuren, Glykoside, Gerbstoffe, ätherische Öle sowie das darmfreundliche Pektin. Reine Medizin sind die „Anthrachinone„, Wirkstoffe, die sich auch in Aloe und Sennesblättern befinden und das Leber-Galle-System und die Darmschleimhaut säubern und damit entgiften.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Anthrachinone=

Strukturformel von  Anthrachinon

Küchentipps:

Um die Oxalsäure im Rhabarber zu verringern, legen Sie die geschälten und klein geschnittenene Stücke kurz in kochendes Wasser (blanchieren). Dieses Wasser enthält die Oxalsäure und wird anschließend weggeschüttet. Durch Kombination mit milchhaltigen Speisen bzw. kalziumreichen Nüssen, wie z. B. Mandeln, wird die Wirkung der Oxalsäure abgemildert und der Kalziumgehalt im Körper wieder erhöht. Rhabarber bitte nicht roh essen und wenn, dann nur in sehr geringen Mengen. Die Blätter sind absolut tabu! Die Stengel sollten geschält werden, weil die Haut die meiste Oxalsäure enthält. Der grüne Rhabarber enthält mehr Oxalsäure als der rote. Auch ab Mitte Juni sollte kein Rhabarber mehr geerntet werden, da der Oxalsäuregehalt mit zuenehmender Reifung steigt.

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Die getrocknete Mandel (Prunus amygdalus) enthält 18 bis 20 Prozent Eiweiß, 54 bis 60 Prozent und mehr Fett, wobei der Anteil an mehrfach ungesättigten herzfreundlichen Fettsäuren sehr hoch ist. Kohlenhydrate und Ballaststoffe machen ca. 18 Prozent der getrockneten Mandel aus. Relativ viel Vitamin A bildende Carotine, eine gute Mischung von B-Vitaminen und etwas Vitamin C kommen vom Vitamingehalt her noch dazu sowie relativ viel Kalium, Kalzium und Magnesium. Weitere Vitalstoffe, die in Mandeln in nennenswerten Mengen vorkommen sind Eisen, Phosphor, Schwefel, Enzyme mit Hormoncharakter und Schleime.

Da Mandeln sehr energiereich sind (ca. 650 kcal/100 g) sollten Sie sie nur in geringen Mengen konsumieren. Sie sind allerdings ein Energiespender der besonderen Art und mindestens genauso „wertvoll wie ein Steak“. Zur kurmäßigen Anwendung können Sie täglich laut dem französichen Naturarzt Jean Valnet 6 bis 15 Stück verzehren. Frisch geriebene Mandeln in etwas Wasser oder Honig verrührt machen die Mandeln besonders bekömmlich und sind:

– für körperlich und geistig erschöpfte Menschen

– für nervenschwache Menschen

– für Sportler zwischen und nach den Wettkämpfen

– für Menschen mit Entzündungen des Rachens, der Luftwege (chronischer Husten), des Magen-Darm-Trakts und der Harnwege und

– für Menschen, die von neuralgischen Schmerzen geplagt werden,

geeignet.

Auch für Diabetiker sind Mandeln erlaubt und besonders wertvoll. Die Mandel hilft bei vielen Frauenleiden, wie z. B. Regel- und Rückenschmerzen und Ausfluß, ist Kraftquelle für Schwangere, Wöchnerinnen und Stillende. Ihre pflanzlichen Hormone sollen sogar bei der Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt helfen. Damit Mandeln besser verdaut werden können, sollten sie gründlich gekaut werden.

Um die Enzymtätigkeit zu erhöhen, können Sie die Mandeln 6 bis 12 Stunden vor dem Knabbern in Wasser einweichen. Sie schmecken dann sogar besser und sollen noch besser schmecken, wenn sich bereits kleine Keime zeigen. Ausprobieren! Auch die braune Haut, die von einigen Menschen schwer verdaut wird, kann durch Überbrühen mit heißem Wasser entfernt werden. Aüßerlich angewendet, können Mandelmilch, Mandelöl und Mandelkleie (bleibt bei der Mandelölgewinnung als Rückstand zurück) sehr hilfreich sein. Es kann bei Hautleiden, Ausschlägen, trockener, schuppiger Haut, Verbrennungen sowie bei Ohrenentzündungen helfen.

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Küchentipps:

Gemahlene Mandeln sollte man nur dann fertig kaufen, wenn man es eilig hat, denn sie halten sich nicht lange frisch und sind doppelt so teuer, wie die ganzen Nüsse. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass sich bei längerer und unsachgemäßer Lagerung für den Verbraucher häufig unsichtbar leicht Schimmelpilze bilden können, die das krebsgefährliche Pilzgift Aflatoxin enthalten. Ein weiterer Grund ist die leichte Oxidierbarkkeit der mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die dann ranzig werden und ihren hohen Gesundheitswert einbüßen. Mandelmuse sind mit Öl bedeckt und deshalb gut haltbar. Selber gemacht schmecken sie nicht nur gut, sondern sind auch weniger kostspielig! Da Mandeln viel Eiweiß und Fett spenden, sind sie für die Küche generell sehr wichtig und auch vielseitig anwendbar. Vor allen Dingen zum Backen, zu herausragenden Soßen, Dressings und Dipps sind sie geeignet. Aber auch zum Verfeinern von Salaten.

Geschenktipp:

In Italien ist es aufgrund der Heilkraft der Mandel ein hübscher Brauch, den Hochzeitsgästen einige mit weißem Zuckerguß überzogene Mandeln, eingepackt in ein Stückchen Brautschleier als Geschenk zu überreichen. Lassen Sie sich doch auch inspirieren und bieten Sie nicht nur zu besonderen Gelegenheiten Mandeln als Geschenk, evt. hübsch verpackt oder zubereitet, an!

Dr. Heike Jürgens

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Quellen/ weiterführende Literatur:

Kursbuch gesunde Ernährung, Die Küche als Apotheke der Natur“ von Ingeborg Münzing-Ruef, Heyne-Verlag, 2007, 608 Seiten

Der Bestseller endlich in aktualisierter Taschenbuchausgabe! Die Ernährungs-Expertin und Medizin-Journalistin Ingeborg Münzing-Ruef zeigt, welche Lebensmittel zur gesunden Nahrung zählen und wie diese vorbeugend und heilend wirken können. Sie klärt auf über Vorgänge des Stoffwechsels und der Verdauung, über Nährstoffdichte, Vitamine, Mineralien und die vielen Wirk- und Heilsubstanzen in der Pflanzennahrung. Ihre Ernährungstipps können Gesunden helfen, ihre Gesundheit zu bewahren, und anfällige Menschen dabei unterstützen, Abwehrkräfte zu entwickeln, vor allem gegen die zwei „großen Killer“ unserer Zeit – Herzinfarkt und Krebs. Mit wertvollen Tipps für Einkauf und Lagerung sowie zahlreichen schmackhaften Rezepten.

de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Rhabarber

http://de.wikipedia.org/wiki/Anthrachinon

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