Leinsamen aus konventionellem Anbau – gentechnisch verändert

In der vergangenen Woche entdeckten Untersuchungsämter in Baden-Württemberg gentechnische Verunreinigungen in Leinsamen, obwohl die gefundene Saat in der EU nicht zugelassen ist.  Weitere Kontrollbehörden, darunter das Hygiene-Institut in Hamburg suchen zur Zeit nach Spuren der Gentechnik. Im Auftrag von Greenpeace war ein Privatlabor am Freitag bei der Untersuchung von Produkten aus  Supermärkten von Edeka, Rewe, Rossmann und Schlecker fündig geworden. Schon im Sommer wurde im importierten Leinsamen sogenanntes CDC Triffid gefunden. Diese Genveränderung macht die Körner unempfindlich gegen bestimmte Pestizide. Vor zehn Jahren wurden die Manipulationen in Kanada und den USA zugelassen. In Deutschland hingegen ist solcher Gen-Leinsamen nicht nur verboten, sondern es gilt sogar die Nulltoleranz, d.h., dass auch minimale Spuren nicht vorkommen dürfen. Das gefährliche an dem genmanipulierten Leinsamen ist, dass dieser Leinsamen eine Resistenz gegen das Antibiotikum: “Kanamysin” trägt. Eine Verbreitung dieses Leinsamens birgt somit die Gefahr, dass sich eine allgemeine Resistenz gegen dieses Antibiotikum in unserer Umwelt ausbreiten könnte, sodass auf dieses Antibiotika basierend Medikamente dann nicht mehr wirksam sein könnten. Der Leinsamen trägt diese Resistenz gegen das Antibiotikum, weil bei der Entwicklung der Sorte auf diesem Wege erkannt werden konnte, ob die Gen-Transplantation erfolgreich war (Marker-Gen). Die Proben wurden in Bäckereien, Mühlen und im Großhandel gezogen, 41 wurden untersucht – in 16 wurden Spuren der Genmanipulationen gefunden. Dabei machen die Verunreinigungen in den Produkten 0,050 bis maximal 1 Prozent aus. Die CVUA (Freiburger Chemisches Veterinär- und Untersuchungsamt) hat auch 14 Proben Öko-Leinsamen untersucht und keine Verunreinigungen gefunden. Kanada ist eines der wichtigsten Anbauländer für Leinsaat, es produziert ein gutes Drittel der weltweit 2200 Tonnen pro Jahr. Die EU wiederum ist der bedeutendste Abnehmer. Allein in Deutschland stammen 400 Tonnen des durchschnittlich 600 Tonnen umfassenden Imports aus Kanada. Untersucht wurden ganze Körner und Schrot, nicht aber Leinsamenbrot, das als hochwertig geltende Leinöl oder Müsli, dem Leinsamen gerne zugemischt wird. Mit CDC Triffid wurden in Kanada von 1988 bis 2002 insgesamt 198 Freilandversuche gemacht.

Greenpeace forderte am Freitag, den 11. September die Rücknahme des gentechnisch veränderten Leinsamens auf. Auch die Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“ schaltete sich ein und forderte die Behörden auf, die Produkte namentlich zu benennen, damit Verbraucher diese gezielt meiden könnten. Peter Hauk (CDU), Landesagrarminister von Baden-Württemberg geht davon aus, dass ganz Europa betroffen ist.

Immer wieder tauchen in Deutschland oder anderswo in Europa gentechnisch veränderte Pflanzen im Handel auf, die nicht zugelassen sind – ob das Reis, Soja oder, wie in diesem Fall, Leinsamen ist. Die von der EU-Kommission und der Bundesregierung versprochene “Koexistenz” von herkömmlicher und gentechnisch veränderter Land- und Lebensmittelwirtschaft funktioniert also ganz offensichtlich nicht. Von Wahlfreiheit für die Verbraucher kann schon gar keine Rede sein. Überforderte Kontrollbehörden, übertölpelte Händler und betrogene Verbraucher – das ist die Wahrheit hinter der politisch bequemen Koexistenz-Fassade, mit der die Politiker jedem Konflikt mit Agro-Gentechnik-Konzernen wie Monsanto, den USA oder der Welthandelsorganisation aus dem Weg gehen. Den Laboren fehlen Analysemöglichkeiten und den Behörden der Mut, den Skandal öffentlich zu machen. Die Verbraucher haben allen Grund, dieser Agrar-Gentechnik und ihren Protagonisten zu misstrauen. //

Aufgrund der Verunreinigung der aus Kanada importierten Leinsam mit genmanipuliertem Saatgut werden in den Bäckereien derzeit keine Leinsamen aus Kanada mehr verwendet, die aber 70 % der verwendeten Leinsamen ausmachen.

Dr. Heike Jürgens

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Quellen:

– http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/freiburger-experten-entdeckten-gentechnisch-veraenderten-leinsamen

– http://www.foodwatch.de/nachrichten/lebensmittelkontrollen/index_ger.html

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1184126/Gen-Leinsamen-Sind-Bio-Produkte-sauber.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Leinsamen

– http://www.n-tv.de/politik/Greenpeace-raeumt-die-Regale-article512557.html

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