Künstliche Vitaminpräparate mit isoliertem Vitamin C und E – erhöhen sie das Diabetesrisiko?

Auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel gibt es eine Vielzahl von Vitaminpräparaten, darunter häufig auch Produkte, die nur ein Vitamin in isolierter Form enthalten.

 Sie stammen nicht aus dem Naturprodukt selber, sondern sind im Chemielabor synthetisch hergestellt worden und liegen in der Tablette als einzelne Vitamine ohne ihre natürliche Umgebung vor. Lediglich Füllstoffe und andere synthetische Hilfsmittel werden ggf. zugegeben. Das bedeutet, dass diese Präparate keine sekundären Pflanzenstoffe, wie Polyphenole, Flavonoide, Gerbstoffe, natürliche Farbstoffe, Proanthocyanidine, weitere Vitamine, ätherische Öle, Mineralstoffe, Spurenelemente usw. enthalten, wie es bei natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die aus Obst und Gemüse schonend hergestellt worden sind, und frischem Obst und Gemüse der Fall ist. So weisen synthetische Präparate u. a. eine verringerte Bioverfügbarkeit auf und können, wie folgende Studie zeigt, die gesundheitliche Wirkung von körperlicher Bewegung reduzieren und evt. das Diabetisrisiko erhöhen.

Studienlage:

In der Studie, die von Wissenschaftler um Michael Ristow von der Universität Jena durchgeführt wurde, absolvierten 40 junge Männer über vier Wochen ein spezielles Sportprogramm. Die Hälfte von ihnen nahm zusätzlich Vitaminpräparate, die die Antioxidantien in Form von Vitamin C (1000 mg am Tag) und Vitamin E (400 IU am Tag) enthielten, ein. Parallel dazu testeten die Forscher bestimmte Genexpressionen und untersuchten das Blut der Teilnehmer, um den Einfluss dieser Antioxidantien auf die Auswirkungen sportlicher Aktivität zu messen.

Es ist bekannt, dass bei ausdauernder Bewegung kurzfristig vermehrt schädigende freie Sauerstoffradikale (reactive oxygen species, ROS) gebildet werden, die bei der Zellatmung in den Mitochondrien entstehen. Antioxidantien arbeiten nun als Radikalenfänger und können diese freien Sauerstoffradikale unschädlich machen. Nach dem von Ristow und Kollegen entwickeltem Prinzip der Mitohormesis, setzen jedoch auch freie Radikale selbst die körpereigenen Abwehrkräfte gegen reaktive Sauerstoffspezies in Gang und wirken somit langfristig wie ein Impfstoff gegen oxidativen Stress. Wie die Wissenschaftler jetzt feststellten, unterdrücken die Antioxidantien Vitamin C und E, die isoliert in einer Tablettenzubereitung vorliegen, die körpereigene Produktion von freien Radikalen und damit diesen Impfeffekt. Parallel zu der erhöhten Produktion von ROS bei dem Absolvieren des Sportprogramms erkannten die Forscher bei den jungen Männeren einen Anstieg der Genaktivität. Diese wirkt regulierend auf die Insulinempfindlichkeit, allerdings nur bei denjenigen Probanden, die keine Vitaminpräparate eingenommen hatten. Die Arbeitsgruppe schloss daraus, dass die durch Bewegung gebildeten ROS einer Insulinresistenz entgegenwirken und somit das Diabetesrisiko senken können. Die Antioxidantien C und E verhindern die Bildung von ROS und erhöhen dadurch möglicherweise die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken.

Die Wissenschaftler zeigen aber auch auf, dass ihre Studienergebnisse nur bei Vitaminpräparaten mit isoliertem Vitamin C und E in hoher Konzentration auftraten. Durch eine Kombination der Antioxidantien mit anderen bioaktiven Stoffen, wie es bei frischem Obst und Gemüse und Naturprodukten der Fall ist, seien diese negativen Effekte nicht zu beobachten. Ein weiterer noch zu berücksichtigender Einfluß bei dieser Studie sei, dass es sich bei den Probanden um ausschließlich jüngere Männer handelt. Untersuchungen mit Frauen und/oder älteren Probanden wurden nicht durchgeführt.

Dr. Heike Jürgens

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Quellen:

– Ristow, M. et al.: Antioxidants prevent health-promoting effects of physical exercise in humans. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073/pnas.0903485106, 2009

http://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin

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