Johanniskraut – nicht nur ein Mittel gegen Depressionen

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist ein Hartheugewächs, bei dem alle oberirdisch wachsenden Teile, das gesamte Kraut einschließlich der Blüten, geerntet werden kann.  Die beste Erntezeit liegt in der Blütezeit, also zwischen Mitte Juni und Anfang September. Zum Trocknen wird das abgeschnittene Kraut zu kleinen Bündeln zusammen gebunden und nach unten aufgehängt. Wichtig ist, dass die die Pflanze beim Trocknen vor Lichteinfall schützen, damit ihre Wirkstoffe nicht chemisch verändert werden.

Schon die alten Griechen der Antike kannten Johanniskraut und verwendeten es als Heilmittel, um die Wunden, die sie sich während ihrer Schlachten zugezogen hatten, zu behandeln. Interessanterweise kamen die antiken Ärzte auf die entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze, als sie, dem Prinzip der Ähnlichkeit folgend, beim Zerreiben der Blätter und Blüten eine rote Flüssigkeit feststellten, die dabei austrat. Diese rote Flüssigkeit verbanden sie mit dem Blut von mehr oder weniger großen Wunden und wendeten seitdem das Johanniskraut zur Wundbehandlung an. Auch aus moderner pharmazeutischer Sicht eignet sich Johanniskraut durchaus zur Behandlung von Verletzungen, was uns wieder einmal aufzeigt, dass Erfahrungswissen in alten Heilkunden durchaus imstande ist, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der heutigen Zeit mitzuhalten. Als Lotion auf die Wunde aufgetragen, bewirkt Johanniskraut eine beschleunigte Wundheilung und kann bei Prellungen, Krampfadern und leichten Verbrennungen eingesetzt werden.

Johanniskraut-Blätter erscheinen durch ihre Öldrüsen durchlöchert Innerlich eingenommen, wirkt Johanniskraut beruhigend und schmerzstillend. Besonders bei Zuständen von Angst und Reizbarkeit in den Wechseljahren ist Johanniskraut als Mittel der Wahl angezeigt. Auch wo Angst und Anspannung zu Schwäche und Ermattung geführt haben, ist Johanniskraut von unschätzbarem Wert. Sogar als Antidepressivum bei mittelschweren Depressionen ist es geeignet. Seit April diesen Jahres gibt es das Kraut auf Rezept. Der entscheidende Faktor dabei ist die hohe Wirkstoffmenge an Trockenextrakt, die durch eine einmalige Gabe von 900 mg täglich verabreicht werden muss, um die erforderliche Wirkung als Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zu gewährleisten (siehe auch: www.prophyto.de). Weiterhin können Nerven-, Ischiasbeschwerden und rheumatische Schmerzen durch die innerliche Einnahme von Johanniskraut abgeschwächt werden.

Blüte von Johanniskraut

Hauptverantwortlich für die antidepressive Wirkung des Johanniskraut ist das blutrote Hypericin, das die goldgelben Kronblätter in Gewebslücken enthalten und das beim Zerreiben der Blütenknospen auf den Fingern eine Rotfärbung hinterlässt. Die getrockneten Blüten enthalten bis zu 1,4 % dieses roten Farbstoffes. Hypericin ist ein Anthrachinon-Derivat und gehört zu den Polyphenolen. Es ist neben dem antibiotisch wirkenden Hyperforin Hauptbestandteil des Johanniskrautes. Für die Wirksamkeit des Johanniskraut sind aber auch Flavonoide und Bioflavone mit verantwortlich.

 

Strukturformel von Hypericin

In einer Arbeit der Universität Freiburg wurden die molekularen Wirkmechanismen von Hypericin untersucht. Neben der allgemein bekannten antidepressiven Wirkung wurden auch andere bekannte Wirkungen untersucht, nämlich die Apoptose-induzierende Wirkungen, Sensibilisierungen von Tumorzellen für ionisierende Strahlung sowie antiinflammatorische (entzündungshemmende) Effekte. Dabei konnte in der Arbeit gezeigt werden, dass Hypericin in vitro (also im Reagenzglas) in verschiedenen Tumorzellen konzentrationsabhängig die drei wichtigsten proteolytischen Aktivitäten des 26s- und 20s-Proteasoms inhibiert. Ein bisher nicht beschriebener molekularer Wirkmechanismus des Hypericins konnte dargestellt werden, sodass eine Therapie maligner Erkrankungen (u.a. bösartige Tumorerkrankungen) durch Hypericin vorstellbar wird.

In dem Artikel: „Polyphenole-Pflanzenstoffe gegen Tumore und Entzündung“ wird ebenfalls über die gesundheitsfördernde Wirkung von Polyphenolen in Johanniskraut und anderen Pflanzen berichtet.

Dr. Heike Jürgens

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Weiterführende Literatur/Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Johanniskraut

– http://www.prophyto.de – http://de.wikipedia.org/wiki/Hypericin

“Lebensfreude und Gesundheit durch Johanniskraut, Die Heilpflanze bei Depressionen, Schlafstörungen uns Nervosität nutzen. Mit Rezepturen zur Stärkung des Herzens und zur Behandlung von Verletzungen“, von Dr. Jörg Zittlau, Südwest Verlag, 1997

Kurzbeschreibung:

Seit jeher bekannt – heute neu entdeckt – die Heilwirkung des Johanniskrauts. Der Autor stellt die besten Rezepturen vor, gibt Ratschläge zum Selbstanbau, nennt aber auch Bezugsquellen. Mit vielen Tipps zur Pflege und Gesunderhaltung der Haut durch Johanniskraut-Produkte

Der Autor über sein Buch Wirkungsvolle Heilpflanze für Psychiatrie und Sportmedizin

Die antidepressiven Wirkungen von Johanniskraut sind mittlerweile wissenschaftlich gut dokumentiert. Bei aller Euphorie hierfür wird jedoch gerne vergessen, daß die Pflanze auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen wie Gürtelrose und Kopfschmerzen sowie bei Sportverletzungen hilft. Der vorliegende Ratgeber informiert umfassend über das Johanniskraut, über seine Wirkstoffe, seine Geschichte und seine Einsatzmögliichkeiten für die Medizin und den Hausgebrauch.

– http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1690/

– http://www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/alternativ/23_02_polyphenole.php

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